Illusionen und Kunst

Kunst und Illusionen sind untrennbar verbunden. Die Geschichte der visuellen und plastischen Künste ist eine Abfolge von Illusionen, von Höhlenmalereien bis zu modernen Hologrammen.

Schon in der Antike gab es die ersten Trompe-l'Œils, die in Räumen die Illusion von Tiefe erzeugten, und Perspektivspiele übertrieben die Proportionen von Gebäuden oder ließen ihre Formen harmonischer erscheinen.

Im Mittelalter versteckten die Künstler in ihren Werken Symbole, betteten Szenen ineinander und schufen so Gemälde, die das Publikum geduldig entschlüsseln musste.

In der Renaissance perfektionierten Maler die Kunst der Perspektive. Perfektionierte Tiefeneffekte zeigt Leonardo da Vinci im Gemälde des Abendmahls. Durch den Einsatz der Farben und die Wiedergabe des Lichts erreichten die Maler einen verblüffenden Realismus. Damit schufen sie ausgefeilte Trompe-l'Œils oder versteckten Bilder in ihren Werken, die erst sichtbar werden, wenn man das Gemälde aus einem bestimmten Winkel betrachtet – dank der Anamorphose (siehe nächste Tafel).

Diese Arbeit mit dem Licht setzte sich in der Barockzeit fort.
Die Maler dieser Zeit verfeinerten die Hell-Dunkel-Technik zur Ausnutzung von Farbkontrasten. Das Ergebnis ist verblüffend realistisch.

Seit der Erfindung der Fotografie und später in der Cinematografie gibt es Spezialeffekte: Techniken, mit denen nicht existierende Elemente in Fotos oder Filme eingefügt werden. Diese neuen Technologien fordern auch die Malerkünstler heraus, die den Realismus der Bilder und die Illusion von Bewegung an die Spitze treiben.

Mithilfe digitaler Technologien lassen sich heute täuschende Bilder erzeugen, Hologramme erstellen oder mithilfe der virtuellen Realität Räume erkunden, die es gar nicht gibt. Wer weiß, was die Zukunft bringt!

Anamorphose

Eine Zeichentechnik, bei der ein Motiv verzerrt wird, wobei einige seiner Proportionen erhalten bleiben. Sie ermöglicht es, dieses Motiv realistisch zu zeichnen, indem sie die Veränderungen der Perspektive nachbildet.

Special Effects

In der Cinematografie die Gesamtheit der Mittel, die es ermöglichen, etwas nicht existierendes oder unmögliches zu filmen. Schon in den ersten Filmen erfanden Pioniere wie Georges Méliès Techniken, um falsche Kulissen durch Trompe-l'Œils, Fantasiegestalten durch Make-up und fantastische Ereignisse durch Kameraführung und geschickte Schnitte darzustellen.

Cinematografie

Wie man Bewegung aufnimmt. Wenn eine Kamera eine Szene filmt, nimmt sie in sehr schnellen Abständen ein Foto der Szene auf – mindestens 6, idealerweise 30 bis 60 pro Sekunde. Wenn diese Fotos mit der gleichen Geschwindigkeit projiziert werden, haben Betrachter durch die Persistenz des Sehens den Eindruck, dass sich die Bilder bewegen.

Hologramm

Wie projiziert man Bilder, die Volumen darstellen? Es gibt verschiedene Techniken: gedruckte Bilder, die den Perspektivwechsel wiedergeben, wenn man den Standpunkt wechselt, Lichtprojektion, die ein nicht greifbares Objekt erscheinen lässt, usw. Im Gegensatz zur virtuellen Realität ist ein Hologramm für alle sichtbar und erfordert keine Spezialbrille.

Hell-Dunkel

In der Realität beeinflussen sich Farben und Licht auf komplexe Weise, sodass aufeinanderprallende helle und dunkle Bereiche entstehen. Indem man untersucht, wie sich diese starken Kontraste mit Farbtönen reproduzieren lassen, ermöglicht die Hell-Dunkel-Technik, einem Gemälde einen realistischen und voluminösen Eindruck zu verleihen.

Digital

Die Gesamtheit aller Techniken, die mithilfe von Computern möglich sind. Diese verwenden nicht nur Zahlen, woher der Name stammt. Diese Technologien sind heute in allen Bereichen der Kunst zu finden: Musik, Illustration, Fotografie, Skulptur... Wenn digitale Technologien fixe oder bewegte Bilder erzeugen, spricht man von Computer Generated Graphics (CGI) oder synthetischen Bildern.

Perspektive

Die Darstellung von drei Dimensionen auf einer zweidimensionalen Fläche. Wie zeichnet man einen Stuhl realistisch auf ein Blatt Papier?

Weiter Entferntes erscheint kleiner als Nahes. Durch die Einhaltung dieser Proportionen gibt die Zeichnung Tiefe wider. Ebenso sehen Objekte je nach Betrachtungswinkel anders aus. Wie das Spiel mit Größenverhältnissen kann auch die Wiedergabe dieser Winkel auf der Zeichnung den Tiefeneffekt verstärken (vgl. Anamorphose).

Virtuelle Realität

Wie man Zuschauer in computergenerierte Bilder (siehe digital) eintauchen lässt. Bei dieser Technologie wird eine Spezialbrille verwendet, die in jedes Auge die entsprechenden Bilder projiziert. Das Bild ist für jedes Auge etwas anders, um den Perspektiveffekt zu erzeugen. In Kombination mit Ton und Bewegungsanalyse erlebt man das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.

Fotografie

Wie man ein reales Bild aufnimmt. Ursprünglich fing eine chemisch behandelte Platte das auf sie fallende Licht ein und registrierte die Kontraste zwischen den einzelnen Strahlen: Das Ergebnis war ein Schwarz-Weiß-Bild. Mit der technischen Entwicklung zeichnete die Fotografie auch Farbe auf und verwendet heute digitale Techniken.

Trompe-l'Œil

Ein Bild, das den Betrachter davon überzeugen will, dass es keines ist. Durch den Einsatz von Perspektive, Licht und anderen Techniken erweckt ein Trompe-l'Œil den Eindruck von Volumen und Tiefe. In der Antike nutzten die Römer die „Augentäuscher“, um Räume optisch zu vergrößern.

Realismus

Ein Kunstwerk schaffen, das der Realität täuschend ähnelt, indem die Darstellung dem tatsächlichen Aussehen der Dinge möglichst nahe kommt. Dazu gehören Techniken wie Perspektive, Hell-Dunkel usw. Aber auch die Auswahl der Themen, bevorzugt „eine rohe Darstellung des Alltagslebens“.

Symbole

Wer eine Taube mit einem Olivenzweig gezeichnet sieht, weiß, worum es geht: Frieden. Es ist ein Symbol: eine Art, etwas oder jemanden darzustellen, indem es durch etwas anderes ersetzt wird, das daran erinnert. Das in der mittelalterlichen Malerei häufig verwendete Symbol ermöglicht es, einem Werk mehrere Bedeutungen zu geben: die wörtliche Bedeutung, d. h. das, was es konkret darstellt (hier: ein Vogel mit einem Zweig im Schnabel), und die übertragene Bedeutung, d. h. die Bedeutung der Symbole, die es verwendet (hier: Frieden).