Unseren sinnen vertrauen
DAS PENROSE-DREIECK
Das Penrose-Dreieck, auch Tribar genannt, ist ein unmögliches Objekt, das der Mathematiker Roger Penrose in den 1950er Jahren entwarf. In den Werken des Künstlers Maurits Cornelis Escher taucht diese Figur oft auf.
Unser Gehirn kann keine stabile Darstellung von Strukturen erzeugen, die den Gesetzen der Physik widersprechen. So können wir uns ein unmögliches Objekt nicht vollständig vorstellen. Es gelingt uns höchstens, eine Annäherung abzuleiten. Der einzige Weg, ein unmögliches Objekt ins Bewusstsein zu bringen, ist, jeweils nur einen Teil davon zu betrachten.
https://fr.wikipedia.org/wiki/Triangle_de_Penrose (extraits) - CC BY-SA 3.0
DIE ILLUSION DER KAFFEEHAUSWAND
Die Illusion der Kaffeehauswand ist eine optische Täuschung, bei der parallele Linien konvergent erscheinen. Hugo Münsterberg entdeckte diese Täuschung ca. 1897, Richard Gregory gab ihr 1979 den Namen. Ein Mitarbeiter bemerkte diesen erstaunlichen Effekt 1973 an den Fassadenfliesen eines Cafés in Bristol.
Die dunklen und hellen Fliesen sind senkrecht in jeder Reihe leicht versetzt. Mehrere neuronale Abläufe erzeugen diesen komplexen Prozess. Die sich wiederholende Struktur und fehlende Bezugspunkte der Richtung erschweren es, die Illusion zu verstehen und aufzudecken.
https://fr.wikipedia.org/wiki/Illusion_du_mur_du_café - CC BY-SA 3.0
FARBEN UND BEWEGUNG
Die Illusion des bewegten Bildes entsteht nur in unserem peripheren Sehen. Sobald man starr darauf blickt, stoppt die Bewegung. Es ist keine wirkliche, sondern die Täuschung einer Bewegung: Nicht das Bild bewegt sich, sondern unsere Augen bewegen sich sehr schnell, um das gesamte Bild zu erfassen.
Normalerweise blendet unser Gehirn diese Aktivität aus (sonst würden wir die Welt um uns zittern sehen). Wenn wir Muster in leuchtenden Farben und dynamische Linien betrachten, kann sich unser Gehirn irren: Es erkennt Bewegung und meint, das Bild würde sich bewegen statt unserer Augen.
https://lecerveau.mcgill.ca/flash/i/i_02/i_02_p/i_02_p_vis/i_02_p_vis.html
KUGELN IN BEWEGUNG
Laut dem Neurobiologen Mark Changizi interpretiert unser Gehirn solcherlei Darstellungen zum Zeitsparen: Es nimmt eine Bewegung wahr und versucht, auf die Fortsetzung der Bewegung zu reagieren.
Hier werden die mit der Kugel verbundenen runden Linien und die Farbtonunterschiede zwischen den Ebenen als Hinweise auf Bewegung interpretiert.
DER THATCHER-EFFEKT
Steht ein Gesicht auf dem Kopf, ist es schwieriger, punktuelle Veränderungen darin wahrzunehmen. Unser Gehirn erkennt das Gesicht eines Menschen, ist mit dieser unmittelbaren Reaktion zufrieden und verzichtet auf eine detaillierte Analyse des Bildes. Im aufrechten Gesicht fällt sofort das Ungewöhnliche an den umgedrehten Augen und Mund auf.
Der Thatcher-Effekt ist nach der verstorbenen britischen Premierministerin Margaret Thatcher benannt, an deren Foto er erstmals gezeigt wurde. Peter Thompson, Professor für Psychologie an der Universität York, entwickelte ihn 1980.
DER WASSERFALL (M. C. ESCHER)
Der Wasserfall (niederländisch: Waterval) ist eine Lithografie des holländischen Künstlers M. C. Escher, erstmals gedruckt im Oktober 1961. Sie zeigt eine Art Perpetuum mobile. Der Wasserfall ergießt sich und der Wasserlauf scheint wieder aufwärts zu seinem Ausgangspunkt zurück zu fließen.
Unser Gehirn kann keine stabile Darstellung von Strukturen erzeugen, die den Gesetzen der Physik widersprechen. So können wir uns ein unmögliches Objekt nicht vollständig vorstellen. Es gelingt uns höchstens, eine Annäherung abzuleiten. Der einzige Weg, ein unmögliches Objekt ins Bewusstsein zu bringen, ist, jeweils nur einen Teil davon zu betrachten.
NECKER-WÜRFEL
Der Necker-Würfel ist eine optische Täuschung, die der Schweizer Mineraloge Louis-Albert Necker 1832 veröffentlichte.
Es ist ein Kippbild, eine zweideutige Zeichnung. Sie zeigt die Kanten eines Würfels in Kavalierperspektive, d. h. die parallelen Kanten des Würfels sind als parallele Linien dargestellt. Beim Kreuzen von zwei Linien erschließt sich nicht, welche Linie vorn und welche hinten ist. Wer die Zeichnung betrachtet, bemerkt abwechselnd jede der beiden gültigen Interpretationen (dies ist eine multistabile Wahrnehmung).
PENROSE-TREPPE
Die Penrose-Treppe ist ein unmögliches Objekt in Form einer Treppe. Der britische Genetiker Lionel Penrose entwarf sie 1958 basierend auf dem Penrose-Dreieck, geschaffen von seinem Sohn, dem Mathematiker und Physiker Roger Penrose.
Die Penrose-Treppe ist die zweidimensionale Darstellung einer Treppe, die sich in vier rechtwinkligen Wendungen am Ausgangspunkt schließt. In der allgemeinen Wahrnehmung bilden die Stufen eine Schleife, die je nach Richtung endlos auf- oder absteigen. Es scheint keinen höchsten und keinen tiefsten Punkt zu geben.
DIE PONZO-ILLUSION
Die Ponzo-Illusion ist eine geometrisch-optische Täuschung, die der italienische Psychologe Mario Ponzo (1882-1960) 1911 zeigte.
In ein zweidimensionales Bild projiziert unser Gehirn Tiefe. Sich annähernde Linien werden als Parallelen interpretiert, die in die Ferne führen. Deshalb schätzen wir die Länge der farbigen Balken anhand ihrer angenommenen Entfernung ein. Bei gleicher Größe kommt unser Gehirn so zu dem Schluss, dass ein „logisch gesehen“ weiter entferntes Objekt „größer“ ist.
EBBINGHAUS-ILLUSION
Der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus (1850-1909) entdeckte diese Illusion, die Edward B. Titchener in einem Lehrbuch für experimentelle Psychologie 1901 in der englischsprachigen Welt publik machte, wo sie nach ihm benannt wurde.
Die Ebbinghaus-Täuschung oder „Titchener Kreise“ ist eine optische Täuschung der relativen Größenwahrnehmung. Wir sehen zwei gleich große Kreise nebeneinander. Einer ist von großen Kreisen umgeben, der andere von kleinen. In der Gegenüberstellung erscheint der von großen Kreisen umgebene Mittelkreis kleiner.
DER CHROMATISCHE KONTRAST
Die beobachtete Farbänderung wird durch die Umgebungsfarbe von Rosa und Gelb hervorgerufen.
Unser Gehirn interpretiert Farben abhängig von ihrer unmittelbaren Umgebung. Das ist die Kontrastwirkung. Eine Farbe auf hellem Hintergrund wird als dunkler wahrgenommen und umgekehrt.
https://illusionsdoptiquetpeblog.wordpress.com/2017/02/26/les-illusions-de-couleur/
FRAU UND SCHWIEGERMUTTER
Am 6. November 1915 veröffentlichte der amerikanische Karikaturist William Ely Hill (1887-1962) „Meine Frau und meine Schwiegermutter“ im amerikanischen Humormagazin Puck mit der Anmerkung „Beide sind auf diesem Bild – findet sie“.
Die älteste bekannte Form des Bildes ist jedoch eine deutsche Postkarte von 1888. Seit Edwin Boring die Figur 1930 in seinem Artikel „Eine neue Kippfigur“ den Psychologen vorstellte, taucht sie in Lehrbüchern und experimentellen Studien auf.
PFEILE NACH LINKS ODER RECHTS
Mehrdeutige Zeichnung. Mehrere Sichtarten sind möglich. Man sieht dunkle nach rechts zeigende Pfeile, helle nach links zeigende Pfeile oder beides gleichzeitig.
Diese Zeichnung veranschaulicht die Vielfältigkeit der „Wahrheit“ und die Wichtigkeit, Ansichten und Standpunkte zusammenzuführen.
DER UNMÖGLICHE DREIZACK
Der unmögliche Dreizack ist gleichzeitig eine unentscheidbare Figur, eine optische Täuschung und ein unmögliches Objekt. Er wurde 1964 bekannt und im März 1965 auf dem Titelblatt des MAD Magazine gezeigt. Er wird auch „zweizackiger Dreizack“, „Teufels Stimmgabel“ und „Blivet“ genannt.
Das einteilige Objekt scheint an einem Ende aus drei zylindrischen Zinken und am anderen Ende aus zwei rechteckigen Zinken zu bestehen, die durch einen rechteckigen Steg verbunden sind. Eine Art Gabel, die mit zwei rechteckigen Zinken beginnt und in drei zylindrische Zinken übergeht. Der einzige Weg, ein unmögliches Objekt ins Bewusstsein zu bringen, ist, jeweils nur einen Teil davon zu betrachten.
DAS KANIZSA-MOTIV
Das Kanizsa-Motiv ist eine kognitive optische Täuschung, die Gaetano Kanizsa 1955 veröffentlichte. Unser binokulares Sehen ermöglicht es uns, teilweise verdeckte Objekte zu rekonstruieren (Für unsere Vorfahren war es lebenswichtig, von Laub bedeckte Tiere schnell zu erkennen).
Auch heute neigen wir oft dazu, die „fehlenden“ Teile einer Zeichnung zu rekonstruieren, indem wir Geraden verlängern oder uns Formen (gelbes Dreieck) vorstellen, die bekannte Objekte oder Formen (grünes Dreieck) offenbar zum Teil verdecken.
DAS PORTRÄT-NEGATIV
Diese optische Täuschung entsteht aufgrund der Persistenz des Sehens (Nachbildwirkung). Das Licht, das das Bild in Ihr Auge überträgt, hinterlässt eine Spur auf der Netzhaut. Wenn Sie in diesem Experiment das Foto 30 Sekunden lang betrachten, überstimulieren Sie die Zellen, aus denen die Photorezeptoren in den Augen bestehen.
Bei geschlossenen Augen nehmen Sie die nicht beleuchteten Bereiche noch ein wenig wahr, und die hellen Bereiche sind erloschen. Ergebnis: Sie nehmen das Bild negativ wahr!
https://www.fredzone.org/cette-illusion-doptique-ne-laissera-personne-indifferent-224
KIPPBILDER
Diese mehrdeutigen oder umkehrbaren Bilder vereinen zwei oder mehr Figuren mit grafischen Ähnlichkeiten in einer visuellen Form und nutzen die Interpretationsfähigkeiten des visuellen Systems, diese mehrfach zu deuten.
Sie bewirken das Phänomen der „multistabilen“ Wahrnehmung, d. h. dasselbe Bild kann auf verschiedene Weise wahrgenommen werden.